MELODIVA CD Tipp Februar 2021

Um die „inneren Gezeiten“ geht es in Anette von Eichels neuem Album, dem sechsten seit ihrem Debüt 2001. Obwohl ihr als Professorin für Jazzgesang an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln sicher nicht viel Zeit für ihre eigene Musik bleibt, hat sie erstmals Lyrics und Musik selbst geschrieben – eine neue Phase ihrer
Identität, wie sie selbst sagt. Hauptthema ist das „Ohr nach innen“: „Jeder trägt diese geheimen Gärten in sich, in der sich immer wieder zurückzieht, wo er sich fallen lassen und dem ganzen Auf und Ab nachspüren kann“. Diese inneren Welten setzt sie mit überwiegend warmen Klängen entspannt in Szene. Da sind Betrachtungen über die Liebe: der Track „Honey“, der liebkosende Worte mit einem neckischen Spiel zwischen Stimme und Instrumenten unterstreicht. Das Lied „Stones“, in dem die Liebe gar in Stücke gehauen wird. Im Song „Merry Go Around“ – der Eichels große Improvisationskünste offenbart – geht es um die Beziehung, die keine Definition braucht. Eine Traumreise endet in einem wunderschönen (weiblichen) Wald. Es sind meist unaufdringliche Tracks, die sich angenehm in die Gehörgänge schmeicheln und mit lässigen Impropassagen glänzen. Ihrer versierten Kombo, die aus Sebastian Sternal (p), Henning Sieverts (b), Jonas Burgwinkel (dr) und Jasper Blom (sax) besteht, bleibt genug Freiraum, um sich mit viel Spiellaune solistisch auzutoben.
MELODIVA CD Tipp Februar 2021