CD-Kritik Jazz Zeitung 4/13

Nur kurz ist das Nachdenken, was der Titel der Sängerin aus Köln Anette von Eichel eigentlich bedeutet. Hat man doch schon mal gehört – Golightly. Und dann ist die Erinnerung da, auch bevor man das Programmheft gelesen hat. Holly Golightly, diese unvergessene Gestalt aus dem Film „Frühstück bei Tifanny“, dargestellt von Audrey Hepburn. Nun, Anette von Eichel will nicht Audrey Hepburn nachspielen, aber sie versucht, die Gestalt der Holly Golightly musikalisch nachzuempfinden, nachdem sie auf einer Bahnfahrt sich in einer Buchhandlung das Buch von Truman Capote gekauft hatte und von der ersten Seite an gefesselt war.
Das spürt man vom ersten Ton an, das sentimentale (im positiven Sinn!) Versinken in die Beschreibung einer unvergessenen Persönlichkeit, textlich wie stimmlich. In eine Reihe von Klassikern, Beyond the Sea bis Moon River fügen sich eigene Kompositionen von ihr wie auch von Marko Lackner und Florian Ross sehr harmonisch ein. Und natürlich sind die Bilder vom klassischen modernen Jazzgesang geprägt, ohne zwanghafte Versuche, neue Erkenntnisse zu produzieren. Allerdings ist das Ergebnis weit davon entfernt, sich in der klassischen Moderne zu verlieren. Die Stimme und ihre Begleiter klingen höchst aktuell, diese ja auch Meister ihres Fachs, der Keyboarder Florian Ross, der Gitarrist Jesse van Ruller, John Hollenbeck, Schlagzeug, und Jasper Blom, Saxophon.
Ein Genuss und ein Erlebnis, den/das man heutzutage nicht all zu oft mehr erfahren kann.

Hans-Jürgen von Osterhausen, Jazz Zeitung 4/13