CD-Kritik aus Italien auf allaboutjazz.com

Man nehme: eine bevorstehende Zugreise, die Notwendigkeit einer guten Lektüre wider die Langeweile, der Kauf von Truman Capotes „Frühstück bei Tiffany“ in der Bahnhofsbuchhandlung, und schon hat man Golightly auf dem Tisch. Aber ja, denn die CD in Frage ist nichts anderes als ein musikalisches Portrait von Miss Holly Golightly, der Heldin, die Audrey Hepburn einst gespielt, und die Anette von Eichel so verzaubert hat, dass sie ihr ein Album gewidmet hat, zu dem sie eine Handvoll erstklassigen Musikern zusammengebracht hat, insbesondere den Schlagzeuger John Hollenbeck.

Gleichmäßig unterteilt auf Originalkompositionen und bekannte Standards (darunter „Moon River“, einziges Zugeständnis an den Soundtrack des Films von Blake Edwards), ist das Album um die Stimme Anette von Eichels aufgebaut, der es mit Leichtigkeit gelingt, komplexe, romantische, fröhliche, melancholische und prickelnde Atmosphären zu schaffen und Gefühlswechseln, Träumen, Hoffnungen und Betragen der Romanheldin gedanklich zu folgen.

Durch einen sparsamen Scat-Gebrauch, ein paar angedeutete Vokalisen, vor allem aber eine perfekte Intonation in allen Registern und mit Worten, die mal als Chiaroscuro oder leuchtend wie Diamanten daherkommen, gibt die Sängerin aus Köln ein raffiniertes Album in perfektem Mainstream-Style heraus, gefällig auf eine abstrakte Weise, mit interessanten Interventionen von Florian Ross an der Orgel(…).

Vincenzo Roggero